Samstag, 12. Juli 2008

Atomkraft abschalten!

Von konservativer Seite kommt der Beschluss zum Ausstieg aus der Atomkraft wieder verstärkt unter Beschuss. Obwohl die Union bereits dem Ausstieg zugestimmt hat, will sie jetzt davon nichts mehr wissen.

Stattdessen will sie von einer zukunftsorientierten Energiepolitik wieder zurück zu längst überwunden geglaubten energiepolitischen Unsinn. Die Argumente von CDU/CSU und FDP sind dabei schwach.

Im letzten Jahr kam es zu schweren Störfällen in Atomkraftwerken sowohl in Deutschland, als auch in Atomkraftwerken in anderen europäischen Ländern.

Am Dienstag, den 8.7. traten beispielsweise über 30 000 Liter uranhaltige Flüssigkeit aus der Atomanlage Tricastin in Südfrankreich aus und verseuchten zwei Flüsse. Menschliches Versagen kann auch bei AKWs nicht vollständig ausgeschlossen werden.
Hier sind einige Argumente die gegen die Atomkraft sprechen:

Was spricht für den Atomausstieg?

1. Es gibt kein Endlager für den Atommüll!

Atomstrom produziert Müll. Dieser strahlt teilweise über mehrere Jahrtausende radioaktiv und ist gefährlich. Bis heute gibt es KEIN sicheres Endlager für hochradioaktiven Müll. Nirgendwo auf der Welt konnte bisher ein sicherer Ort gefunden werden, wo wir diesen Müll für mehrere Jahrtausende ohne Risiko lagern könnten.

Wenn CDU/CSU Atomkraftwerke wollen, sollten sie zuerst einmal erklären, wohin mit dem Müll. Bayern und Baden-Württemberg sind immer nur schnell im Fordern nach Verlängerung der Laufzeiten. Ein Endlager im eigenen Bundesland akzeptieren sie dagegen nicht. Denn Beckstein und Oettinger wissen selber, dass das Risiko groß ist und niemand gefährlichen Atommüll bei sich in der Nachbarschaft möchte.

2. Uran muss abgebaut werden – unter gesundheitsschädlichen Bedingungen!

Auch Uran ist ein Rohstoff, der abgebaut werden muss. Teilweise geschieht dies unter gefährlichen Bedingungen. Rund um die Flächen und Minen, in denen Uran abgebaut wird, kommt es immer wieder zu auffällig hohen Krebsraten. Zufall, dass in Deutschland kein Uran mehr abgebaut wird?

3. Uranvorkommen versiegen!

Ein Argument für Atomstrom sind immer die Rohstoffpreise. Dieses Argument entbehrt jeglicher Grundlage. Denn auch Uran ist endlich. Es gibt hier also keinen Unterschied zu Öl oder Gas. Nach Angaben von Greenpeace reicht das Vorkommen von Uran, sollte der Verbrauch so wie bisher bleiben, noch 65 Jahre.

Die Atomindustrie geht von 200 Jahren aus. Mit zunehmender Knappheit wird der Grundrohstoff für Atomkraftwerke, das Uran, wesentlich teurer. Steigende Preise erwarten uns also auch bei den Atomkraftwerken.

4. Atomkraft ist nicht billiger!

Atomkraft ist entgegen der Aussagen der Atomindustrie nicht wesentlich billiger. Verbraucherschützer beziffern die Kostenvorteile pro Haushalt bei einer Verlängerung der Laufzeiten auf 30 Cent. Pro Kilowattstunde werden zwischen 0,1 und 0,3 Cent durch eine Verlängerung eingespart. - Zuviel zum Thema "günstiger Strom!"

Hinzu kommt, dass der Staat zur Zeit wesentliche Kosten bei der Atomenergie übernimmt. Rechnet man die Kosten für Sicherheit, Atommüll usw. dazu, kommt man schnell auf extrem hohe Summen. Die bezahlt bisher aber der Steuerzahler. Würde der Staat nicht nach wie vor wesentliche Kosten der Atomenergie übernehmen, würde die Industrie wohl lieber heute als morgen aus der Atomkraft aussteigen.

Ein Interview mit dem Verbraucherschützer Holger Krawinkel zum Thema könnt Ihr Euch hier durchlesen.

5. Atomkraft ist kein Ökostrom!

Die Behauptung, Atomstrom würde CO2-frei produziert ist eine Lüge. Selbst die Atomkraftwerksbetreiber geben entgegen ihrer öffentlichen Kommunikation zu, dass Atomkraftwerke pro produzierte Kilowattstunde Strom 33 Gramm Kohlendioxid in die Luft. Umweltorganisationen und Wissenschaftler rechnen mit bis zu 65 Gramm CO2. Das ist zwar weniger als momentan durch Kohle oder Erdgas verursacht wird.

Soll aber der weltweite Energiehunger mit Kernenergie gestillt und ein wirklicher Effekt für den Klimaschutz erreicht werden, müsste die Staatengemeinschaft zu den weltweit 440 bestehenden AKWs ca. 4 000 Neue bauen. Das sagt zumindest der Chef des UN-Umweltprogramms Achim Steiner. Das vorhandene Uran wäre dann wesentlich schneller verbraucht, als sich so mancher Atomlobbyist das vorstellen kann. Für Abbau und Aufbereitung des Uranerzes und die Anreichung des spaltbaren Isotops im gewonnen Metall braucht man außerdem Dieselkraftstoff und Elektrizität.

Je schlechter die Qualität des für Atomstrom notwendigen Uranerzes ist, desto mehr CO2 wird bei der Produtkion verbraucht. Das bedeutet, dass beim momentanen Verbrauch in 20-30 Jahren AKWs genauso viel CO2 verbrauchen werden, wie normale Gaskraftwerke. Das aber nur, wenn keine neuen gebaut werden. Sonst wird die CO2-Bilanz von Atomstrom noch viel schneller negativ.

6. Deutschland isoliert sich nicht, wenn es aus der Atomkraft aussteigt!

Das Industrieland Niederlande bezieht lediglich 4,1% seines Bedarfs aus Atomstrom. Weltweit sind momentan 30 AKWs im Bau: vornehmlich in China, Pakistan und Indien. In Europa entstehen nur zwei neue Kraftwerke. In Finnland sind die Nachteile von AKWs offensichtlich. Bereits mehrfach hat sich das Projekt hier verzögert.

Die Kosten sind mittlerweile aus dem Ruder gelaufen. Außerdem baut Frankreich zur Zeit ein AKW. Atomkraft hat am weltweiten Primärenergieverbrauch einen Anteil von nur ca. sechs Prozent. Die Tendenz ist sogar fallend. Die Aussage, es gebe eine Trendwende in Sachen Atomstrom, ist also falsch.

7. Atomstrom ist unsicher!

Tschernobyl schon vergessen? Niemand kann garantieren, dass es wieder zu einem Störfall mit ähnlich katastrophalen Auswirkungen kommt. Fast täglich kommt es zu neuen Zwischenfällen. Allein in den 17 deutschen Reaktoren gibt es jedes Jahr 140 meldepflichtige Ereignisse.

Erst am Dienstag, den 8.7. traten beispielsweise über 30 000 Liter uranhaltige Flüssigkeit aus der Atomanlage Tricastin in Südfrankreich aus und verseuchten zwei Flüsse. Menschliches Versagen kann auch bei AKWs nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Außerdem sind Atomkraftwerke potentielle Ziele für Terroranschläge. Die Zeit ist also reif, die Unsicherheitsquelle Atomkraftwerk endlich abzuschalten.

8. Die Zukunft ist solar!

Die Zukunft der Energiepolitik muss in einem konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien liegen. Die Konzepte dafür liegen auf dem Tisch und wurden insbesondere unter der rot-grünen Bundesregierung auch schon mutig angepackt.

Sowohl CDU als auch FDP wehren sich aus ideologischen Gründen gegen eine vernünftige Energiepolitik. Eine Rückwärtsrolle in Richtung Atomenergie würde bedeuten, dass wichtige Ressourcen zur Erforschung und Entwicklung von umweltfreundlichen Technologien fehlen würden. Damit würde letztlich das Problem des Klimawandels verschärft.

Wir brauchen einen Modernisierungsdruck, um die Technik von morgen auch effektiv nach vorne zu bringen und keine Populismus-Kanzlerin und andere CDU´ler, die mit den Ängsten und Nöten der Menschen zu spielen, die sich natürlich Sorgen machen, wenn sie ständig von steigenden Energiepreisen lesen.

Hier ein Video des britischen Rappers "Example" der in der Region ein Video zu seinen Track "What we made" in der Region um Tschernobyl gedreht. Mit Blick auf leere Hütten und Gasmasken für Babys meint er: "Niemand, der das gesehen hat, kann noch für Atomkraft sein.":



Mehr zum Thema:

RP-Online: Übersicht aller schweren Störfälle in Atomkraftwerken

Keine Kommentare: